Zum Einkaufen, zum Krankenhaus oder zum Bahnhof: Seit Dezember 2023 verbindet der Stadtbus „Der kleine Strolch“ wichtige Ziele in der Lauterbacher Kernstadt. Jetzt steht seine Zukunft zur Debatte. Im Hauptausschuss haben CDU und FDP dafür gestimmt, auf eine Vertragsverlängerung zu verzichten — das bisherige Angebot soll zum Dezember 2027 auslaufen. Für Fahrgäste ohne eigenes Auto wirft das eine ganz praktische Frage auf: Wie kommen sie dann ans Ziel?
- Der Stadtbus fährt seit dem 10. Dezember 2023 durch Lauterbach und erschließt Krankenhaus, Behörden, Altenheime, Sportanlagen, Märkte und die Innenstadt. Stadt Lauterbach →
- CDU und FDP haben sich im Hauptausschuss für ein Ende des bisherigen Stadtbusses zum Dezember 2027 ausgesprochen. Lauterbacher Anzeiger →
- Die Grünen kritisieren, es habe nie eine Fahrgastzählung gegeben. Das ist ihre politische Darstellung — durch veröffentlichte Verwaltungsunterlagen bislang nicht unabhängig bestätigt. Quelle: Lauterbacher Anzeiger (Pressemitteilung der Grünen) →
- Die abschließende Entscheidung der Stadtverordnetenversammlung wurde Ende September wegen eines Formfehlers vertagt. Lauterbacher Anzeiger →
- Rufbus, Anruf-Sammeltaxi oder On-Demand-Verkehr werden als Alternativen genannt. Welches Angebot tatsächlich folgt, ist offen.
Warum der Stadtbus auslaufen soll
Im Kern geht es um die Frage, welches Mobilitätsangebot Lauterbach dauerhaft finanzieren kann und will. Mit den Stimmen von CDU und FDP hat sich der Hauptausschuss für ein Ende des bisherigen Linienbusses ausgesprochen. Als mögliche Alternativen nennt der Antrag Rufbusse, Anruf-Sammeltaxis und On-Demand-Verkehre. Nach Darstellung der Grünen halten CDU und FDP es zugleich für möglich, dass am Ende kein „wirtschaftlich tragfähiges und dauerhaft finanzierbares Mobilitätsangebot“ zustande kommt. Quelle: Lauterbacher Anzeiger · 21. Sept. 2026 · Indirekte Wiedergabe
Wichtig für die Einordnung: Der ausführliche Bericht zur Ausschussdebatte stützt sich wesentlich auf eine Pressemitteilung der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen Lauterbach, die der Lauterbacher Anzeiger am 21. September 2026 wiedergibt. Titel und Datum der Mitteilung nennt der Bericht nicht, das Original ist öffentlich nicht auffindbar und liegt Hessen Journal nicht vor. Auch die vollständige Begründung von CDU und FDP sowie aktuelle Kosten- und Finanzierungszahlen liegen uns nicht vor. Quelle: Lauterbacher Anzeiger · 21. Sept. 2026
„Klar muss Lauterbach aufs Geld schauen. Aber den Stadtbus streichen? Das ist weder fair noch klug.
Bevor man den Bus abschafft, sollte man erst mal schauen, wer überhaupt drin sitzt. Sonst spart man am Ende genau bei den Falschen – bei Älteren, Schülern, Menschen mit Behinderung und allen, die kein Auto haben. Beim ÖPNV und damit bei den Bürgern zu sparen, ist der falsche Weg.“
Ein Ticket ist kein Fahrgast
Eine Fahrt kostet einen Euro. Doch viele Fahrgäste kaufen gar kein Ticket im Bus: Kinder bis 15 Jahre, Inhaber von RMV-Fahrkarten, der Ehrenamtscard und der Juleica fahren kostenlos. Laut Seniorenwegweiser gilt das auch für Deutschlandticket und Hessenticket. Quelle: Stadt Lauterbach · Tarifsystem
Genau hier setzt die Kritik an: Aus den Ticketeinnahmen allein lässt sich nicht ablesen, wie viele Menschen den Bus tatsächlich nutzen. Die Grünen werfen der Verwaltung vor, den Kosten nur die verkauften Fahrkarten gegenübergestellt zu haben. Quelle: Lauterbacher Anzeiger · 21. Sept. 2026
Da die meisten Fahrgäste aber Zeitkarten vorzeigen können oder unter sechzehn sind und kostenlos mitfahren, ist der Ticketverkauf im Bus überhaupt nicht aussagekräftig. Mit diesen Zahlen hätte man keine Entscheidung treffen dürfen.Daniel Schmidt · Fraktionsvorsitzender Bündnis 90/Die Grünen Lauterbach
Der Alternativantrag der Grünen forderte deshalb eine belastbare Auswertung: tatsächliche Fahrgastzahlen, Auslastungsdaten und eine Prüfung von Fahrzeiten, Linienführung und Kosten. Zudem kritisieren sie, dass neben dem Seniorenbeirat weder der Ausländerbeirat noch das Stadtjugendparlament angehört worden seien — und dass viele Haltestellen bis heute provisorisch und ohne Sitzgelegenheit geblieben seien. Quelle: Lauterbacher Anzeiger · Indirekte Wiedergabe
Der Fahrplan der Entscheidung
Noch kein endgültiger Beschluss
Die Ausschussentscheidung bedeutet nicht automatisch das Ende des Stadtbusses. In der jüngsten Stadtverordnetenversammlung sollte über den Antrag von CDU und FDP und die Alternativformulierungen der Grünen entschieden werden. Doch Stadtverordnetenvorsteher Gunther Sachs (CDU) war in der amtlichen Bekanntmachung versehentlich als Vorsitzender des Seniorenbeirats bezeichnet worden. Damit hätte der Punkt nur mit einer Zweidrittelmehrheit der 37 Stadtverordneten auf die Tagesordnung genommen werden können. Quelle: Lauterbacher Anzeiger · 29. Sept. 2026
Die Unterscheidung ist wesentlich: Eine politische Mehrheit im Ausschuss ist belegt. Ein abschließender Beschluss der Stadtverordnetenversammlung ist es nicht. Einen neuen Termin nennt der Bericht nicht. Die Grünen selbst gehen davon aus, dass das Aus angesichts der Mehrheitsverhältnisse „voraussichtlich bereits politisch entschieden“ sei. Quelle: Lauterbacher Anzeiger
Was für Lauterbach auf dem Spiel steht
Der „kleine Strolch“ fährt montags bis samstags zwischen 8.32 und 18.57 Uhr und bedient ab dem Nordbahnhof 19 Haltestellen — darunter das Krankenhaus. Erreicht werden Innenstadt, Einkaufsmöglichkeiten, Verwaltungsbehörden, Altenheime und Sportanlagen. Quelle: Seniorenwegweiser Stadt Lauterbach 01/2025
Auch künftig müssen Menschen ohne eigenes Auto die Möglichkeit haben, Krankenhaus, Supermärkte, Friedhof oder Bahnhof zu erreichen.Fraktion Bündnis 90/Die Grünen · Stadtverordnetenversammlung Lauterbach
Wie viele Menschen auf den Stadtbus angewiesen sind, lässt sich mit den bislang veröffentlichten Informationen nicht beziffern. Gerade deshalb braucht die Debatte neben der Kostenrechnung auch die Erfahrungen der Fahrgäste: Wer fährt mit? Wohin? Zu welchen Zeiten? Und welche Alternative gibt es wirklich?
„Ein Bus, der kaum beworben wird und an Haltestellen ohne Bank hält, hat es schwer, seine Zahlen zu beweisen. Bevor man ihn abschreibt, sollte man ihm wenigstens eine faire Chance geben — oder sagen, was konkret besser wird.“
- Rufbus: fährt nur bei vorheriger Anmeldung — spart Leerfahrten, verlangt aber Planung von den Fahrgästen. Antrag CDU/FDP →
- Anruf-Sammeltaxi (AST): Taxi zum Bustarif auf festen Relationen — Buchung meist telefonisch, mit Vorlaufzeit.
- On-Demand-Verkehr: flexible Kleinbusse per App oder Telefon. Auch die Grünen halten einen solchen Ersatz für denkbar — aber erst nach einer Auswertung. Lauterbacher Anzeiger →
- Arbeitsgruppe: Bürgermeister Holger Marx hat eine parteiübergreifende Arbeitsgruppe für ein neues Mobilitätskonzept vorgeschlagen. Die Grünen begrüßen das. Lauterbacher Anzeiger →
Für Fahrgäste entscheidet am Ende nicht der Name eines neuen Systems, sondern seine Ausgestaltung: erreichbare Ziele, Betriebszeiten, Fahrpreis, Buchungsweg und Verlässlichkeit. Die zentrale Frage lautet deshalb nicht nur, ob der Stadtbus bleibt — sondern welche Mobilität Lauterbach seinen Bürgern sichert, bevor das bisherige Angebot endet.
Belegt & Offen
- Stadtbus fährt seit 10.12.2023, Vertrag bis 11.12.2027, Verlängerung möglich
- Mehrheit von CDU und FDP im Hauptausschuss für das Aus
- Entscheidung im Stadtparlament wegen Formfehler vertagt
- Viele Fahrgruppen fahren kostenlos — Ticketeinnahmen bilden die Nutzung nicht ab
- Tatsächliche Fahrgastzahlen und Auslastung
- Aktuelle Gesamtkosten und Finanzierung des Stadtbusses
- Originalbegründung des CDU/FDP-Antrags
- Ob und welches Ersatzangebot verbindlich kommt
Was würde sich für Sie ändern?
Nutzen Sie den „kleinen Strolch“? Welche Wege legen Sie damit zurück — und wie kämen Sie ohne ihn ans Ziel? Hessen Journal macht die Erfahrungen aus Lauterbach sichtbar, egal ob Sie den Bus erhalten, verbessern oder ersetzen wollen.
Erst Fakten, dann entscheiden
Diese Aktion ist eine eigene Forderung des Portals und vom journalistischen Bericht getrennt.
Was wir erreichen wollen: Bevor über das Aus entschieden wird, sollen Fahrgastzahlen, Kosten und Alternativen auf dem Tisch liegen. Jede bestätigte Unterstützung macht diese Forderung sichtbarer.
Wir fordern die Stadt Lauterbach und die Stadtverordnetenversammlung auf, vor einem endgültigen Verzicht auf die Verlängerung des Stadtbusvertrags eine nachvollziehbare Entscheidungsgrundlage öffentlich vorzulegen.
Dazu gehören belastbare Fahrgastzahlen, eine transparente Darstellung von Kosten und Finanzierung, eine Prüfung möglicher Verbesserungen und Alternativen sowie die Beteiligung der Betroffenen.
Außerdem soll erläutert werden, wie Menschen ohne eigenes Auto auch nach Dezember 2027 wichtige Ziele in Lauterbach erreichen können. Wir unterstützen eine ergebnisoffene Prüfung auf Grundlage nachvollziehbarer Daten.
Seien Sie dabei: Jede bestätigte Unterstützung zählt.
Der „kleine Strolch“ steht auf der Kippe — politisch, aber noch nicht formal. Die Mehrheit im Ausschuss ist klar, die Datengrundlage nicht. Wichtige Fragen sind offen: aktuelle Gesamtkosten, tatsächliche Nutzung und ein verbindliches Anschlussangebot. Genau diese Lücken sollten geschlossen werden, bevor aus einem politischen Vorhaben eine endgültige Entscheidung wird.
Für alle Lauterbacher: Erzählen Sie uns, wofür Sie den Bus nutzen. Fragen, Anregungen und Kritik zum Stadtbus nimmt die Stadt auch direkt entgegen — Servicetelefon 06400 9050520 oder stadtbus@lauterbach-hessen.de.
Jetzt mitmachen → LeserbefragungHäufige Fragen
Nein. Der Hauptausschuss hat sich mit den Stimmen von CDU und FDP für ein Ende zum Dezember 2027 ausgesprochen. Die finale Entscheidung der Stadtverordnetenversammlung wurde Ende September 2026 wegen eines Formfehlers in der Bekanntmachung vertagt. Bis dahin — und mindestens bis Vertragsende — fährt der Bus weiter.
Der Rundkurs startet und endet am Nordbahnhof. Die Linie fährt montags bis samstags zwischen 8.32 und 18.57 Uhr zu 19 Haltestellen, darunter Krankenhaus, Innenstadt, Behörden, Märkte, Altenheime und Sportanlagen. Die Kernroute wird im 30-Minuten-Takt bedient, zusätzliche Schleifen im Stundentakt.
Eine Fahrt kostet 1 Euro (Haustarif). Kostenlos fahren Kinder bis 15 Jahre, Inhaber von RMV-Fahrkarten, der Ehrenamtscard und der Juleica (Jugendleiterkarte).
Das ist offen. CDU und FDP nennen Rufbusse, Anruf-Sammeltaxis und On-Demand-Verkehre. Bürgermeister Holger Marx hat eine parteiübergreifende Arbeitsgruppe für ein neues Mobilitätskonzept vorgeschlagen. Ein verbindlich beschlossenes Ersatzangebot ist bislang nicht bekannt.
Hier im Artikel über die Leserbefragung und die Kommentare. Direkt bei der Stadt über das Servicetelefon 06400 9050520 oder per Mail an stadtbus@lauterbach-hessen.de.
- Stadt Lauterbach — Lauterbacher Stadtbus lauterbach-hessen.de → Betriebsbeginn, Ziele, Takt, Tarife, Kontakt
- Stadt Lauterbach — Seniorenwegweiser 01/2025 Seniorenwegweiser (PDF) → Vertragslaufzeit bis 11.12.2027, Linie 100, Betriebszeiten, 19 Haltestellen
- Lauterbacher Anzeiger, 21. September 2026 (Annika Rausch) lauterbacher-anzeiger.de → „Lauterbacher Stadtbus wird abgeschafft – ohne eine einzige Fahrgastzählung“ · Ausschussentscheidung, Kritik der Grünen laut deren Pressemitteilung (Original nicht veröffentlicht), Zitate Daniel Schmidt · Direkte & indirekte Wiedergabe
- Lauterbacher Anzeiger, 29. September 2026 lauterbacher-anzeiger.de → „Entscheidung zum Stadtbus verschoben“ · Formfehler, 22 von 37 Stimmen
- Philippi Nahverkehr — Betreiber philippi-nahverkehr.de → Rundkurs ab Nordbahnhof, 30-/60-Minuten-Takt
⚠️ Die Kritik der Grünen wird als politische Position wiedergegeben; eine eigene Bestätigung der fehlenden Fahrgastzählung liegt nicht vor. Der Originalantrag von CDU und FDP, das Original der Grünen-Pressemitteilung sowie aktuelle Finanzdaten liegen Hessen Journal nicht vor. Die Kommentare von Can & Florian sind als Redaktionsmeinung ausgewiesen und von den Autoren bestätigt. Das Titelbild ist ein KI-generiertes Symbolbild und zeigt keine realen Personen oder tatsächlichen Fahrgäste. Recherchestand: 10. Oktober 2026.
Ich bin kein Fan davon, Busse aus Prinzip fahren zu lassen. Aber ich bin noch weniger Fan davon, Entscheidungen im Blindflug zu treffen. Wenn eine Stadt zwei Jahre Stadtbus hinter sich hat und niemand sagen kann, wie viele Menschen drinsitzen, dann ist das Problem nicht der Bus — sondern die Datenlage.
Mein Vorschlag: Einmal zählen, einmal fragen, dann entscheiden. Das kostet ein paar Wochen, nicht Jahre. Bis Juni 2027 ist Zeit.
Der „kleine Strolch“ hat einen der besten Namen, den ein Stadtbus in Hessen haben kann — und kaum jemand weiß davon. Wer ein Angebot nicht sichtbar macht, darf sich über schwache Zahlen nicht wundern.
Ob Linienbus oder On-Demand: Entscheidend ist, dass am Ende niemand ohne Auto abgehängt wird. Ein Ersatz muss vor dem Aus stehen, nicht danach.