Kurzfassung der Lage: 5 Jahre Initiative, Machbarkeitsstudie bestanden, aber Behörden- und Standortfragen bremsen — wie realistisch ist der Durchbruch und was passiert als Nächstes?
Die Lahnwelle Gießen ist das hartnäckigste Sportprojekt Mittelhessens: Eine stehende Flusswelle, bis zu 11 Meter breit, bis zu 300 Tage im Jahr surfbar — mitten in einer Stadt, die Klimaneutralität bis 2035 anstrebt. Für Gießen wäre es eine Sensation. Für Hessen sowieso — die einzige stehende Welle im Bundesland liegt bisher in Trebur bei Rüsselsheim.
Die Idee: Surfen an der Lahn
Gießen, Dezember 2020. Eine Gruppe Wassersport-Enthusiasten stellt Bürgermeister Peter Neidel eine ungewöhnliche Frage: Warum zum Surfen an die Küste fahren, wenn die Lahn direkt durch die Stadt fließt? Die Idee einer stehenden Flusswelle — wie am Münchner Eisbach — zündet sofort. Innerhalb von 14 Tagen folgen über 1.000 Instagram-Follower. Quelle: Gießen-entdecken.de
Prof. Dr. Markus Aufleger von der Universität Innsbruck liefert 2021 die Machbarkeitsstudie. Ergebnis: Technisch realisierbar. Ökologisch prüfbar. Standort vielversprechend. Das Betonbett am Stadtwerke-Wehr gilt als ideale Grundlage. Aus der Initiative wird der gemeinnützige Lahnwelle e.V. — Jahresbeitrag ab 25 Euro, offen für alle. Quelle: Gießen-entdecken.de
Das Konzept ist inklusiv: Surfer, Kanuten, Stand-Up-Paddler, Parakanu-Sportler und Special-Olympics-Athleten sollen über ein Kehrwasser gemeinsam surfen. Weltklasse-Athleten aus Mittelhessen stehen dahinter. Quelle: kanu.de (DKV)
Nicht nur für unsere Vereinssportler, insbesondere im Nachwuchsbereich, wäre eine für den Kanusport nutzbare Welle in direkter Nähe des Vereinsheims eine tolle Bereicherung des Sportangebotes.Till Mühlhaus · Vorsitzender Ski- und Kanuclub Gießen e.V.
Der Weg zur Welle
Warum dauert es so lang?
Wer die Lahnwelle als verschlafenes Projekt abtut, kennt die Materie nicht. Wasserbau ist teuer und komplex — Verein und Stadt betonen das unisono. Am Standort SWG-Wehr häufen sich Auflagen: gesperrte Wasserflächen, Bootsrutsche, EU-Wasserrahmenrichtlinie. OB Becher fasst es nüchtern zusammen: Quelle: Stadt Gießen · Juli 2024
Je näher man sich mit den notwendigen Detailfragen zur Umsetzung beschäftigt, umso mehr wird klar, dass es nicht die eine völlig unkomplizierte Lösung gibt. Wir prüfen aber nun alle in Frage kommenden Möglichkeiten.Frank-Tilo Becher · Oberbürgermeister & Sportdezernent Gießen
Vereinssprecher Daniel Sticher macht klar, wie das Projekt intern tickt: Die Welle soll nicht kommerzialisiert werden — Rückhalt in der Bevölkerung ist der entscheidende Hebel. Quelle: Gießen-aktuell.de · Sept. 2025
Je mehr Rückhalt wir haben, desto besser können wir das Projekt vertreten. Die Welle soll nicht kommerzialisiert werden und die Vertreter aus dem Kanusport sind von Beginn an eingebunden.Daniel Sticher · Vorstand Lahnwelle e.V.
Surfer-Stadt — Tourismus & Wirtschaft
Eine stehende Flusswelle ist mehr als Sport — sie ist ein urbaner Magnet für Gastronomie, Einzelhandel, Tourismus und Stadtimage. Heinz-Jörg Ebert, Vorsitzender des BID Seltersweg, bezeichnete die Lahnwelle laut Gießener Anzeiger als Meilenstein und Alleinstellungsmerkmal, das Brücken in die Innenstadt schlagen werde. Das BID sei von Anfang an im Austausch mit den Initiatoren. Quelle: Gießener Anzeiger · 13. Mai 2023 · Indirekte Wiedergabe
Gießen ist momentan der einzige Standort in Hessen, an dem die Umsetzung einer Welle realistisch ist — eine solche Anlage ist ein Publikumsmagnet und Booster für die Innenstadt mit positiven Effekten für den Einzelhandel.Janne Paul Schmidt · Vorstand Lahnwelle e.V. · Mitgründer River Surfing Summit
- Partner Dreamwave International hat die Nürnberg Dauerwelle fertiggestellt — Gießen profitiert vom Know-how-Transfer. lahnwelle.com →
- Leinewelle Hannover und Chiemgauwelle Traunstein in Bau/Planung — der Markt wächst bundesweit. rheinmainwelle.de →
- Flusswellen sind wirtschaftliche Katalysatoren — Gastronomie, Einzelhandel und Städtetourismus profitieren nachweislich.
- River Surfing Summit Prag 2024 — mitorganisiert vom Lahnwelle-Vorstand. Gießen in einer europaweiten Bewegung. lahnwelle.com →
- Leinewelle Hannover: ~2,5 Mio. Euro über Sponsoren & Spenden finanziert — Blaupause für Gießen. Gießener Anzeiger →
Pro & Contra
- Einzigartiges Alleinstellungsmerkmal — Gießen wird zur ersten Surfer-Stadt in Mittelhessen
- Bis zu 300 Betriebstage jährlich, emissionsarmer Betrieb — passt zur Klimastrategie bis 2035
- Inklusionskonzept: Surfer, Kanuten, Parakanu, Stand-Up-Paddler, Special Olympics
- Tourismusmotor: Besucher, Gastronomie, Einzelhandel, Stadtimage — alles zieht mit
- Komplexe Genehmigungslage: WSA Koblenz, EU-Wasserrahmenrichtlinie, Bootsrutsche
- Kosten noch nicht final beziffert — Wasserbau ist grundsätzlich teuer
- Standort noch offen — Bypass oder alternativer Lahnabschnitt möglich
- Finanzierungsmodell unklar — Hannover brauchte 2,5 Mio. Euro Sponsoring
Die Lahnwelle ist kein Luftschloss — sie ist ein durchdachtes, von Experten geprüftes Projekt mit breitem Rückhalt aus Sport, Wirtschaft und Politik. Was bremst, ist nicht das Ob, sondern das Wie: Standort, Behörden, Finanzierung. Der Lahnwelle e.V. geht mit langem Atem weiter. Die Stadt prüft jede realistische Option.
Für alle Gießener: Mitglied werden, Stadtverordnete ansprechen, laut sein. Je größer der Rückhalt, desto schneller kommt die Welle.
Jetzt den Verein unterstützen → lahnwelle.comHäufige Fragen
Der ursprünglich favorisierte Standort ist das Stadtwerke-Wehr (SWG-Wehr) in der Lahn, zentral in Gießen gelegen. Das Flussbett dort besteht von Ufer zu Ufer aus Beton — ideale Voraussetzungen für den Einbau einer stehenden Welle. Kajak- und Kanufahrer könnten die bestehende Bootsrutsche weiterhin uneingeschränkt nutzen.
Allerdings hat das Wasser- und Schifffahrtsamt Koblenz (WSA) auf mehrere zu prüfende Aspekte hingewiesen — darunter Freihaltung gesperrter Wasserflächen rund ums Wehr und Konformität mit der EU-Wasserrahmenrichtlinie. Deshalb prüft die Stadt aktuell auch Alternativen: einen sogenannten „Wellen-Bypass" (künstlicher Seitenarm der Lahn), Wasserumleitungen durch Rohrsysteme oder einen anderen Lahnabschnitt.
Ein konkreter Baubeginn steht noch nicht fest. Der Lahnwelle e.V. selbst kommuniziert klar: Ein Spatenstich vor 2026 ist unwahrscheinlich. Die Planungs- und Genehmigungsphase ist komplex — Wasserbau benötigt umfangreiche Gutachten, Behördengespräche und eine gesicherte Finanzierung, bevor überhaupt mit dem Bau begonnen werden kann.
Als Vergleich: Die Leinewelle Hannover hat von der ersten Idee (2013) bis zur Eröffnung fast zehn Jahre gebraucht. Die Gießener Initiative läuft seit 2020 — verglichen mit anderen Projekten kommt sie laut Eigenaussage aber zügig voran.
Aktuell (Mai 2025) kommuniziert der Verein neue Energie und konkrete nächste Schritte — bleibt aber realistisch über den Zeitrahmen.
Die genauen Kosten für Gießen sind noch nicht beziffert — das Projekt befindet sich noch in der Planungsphase. Klar ist jedoch: Wasserbau ist grundsätzlich teuer. Als Vergleichswert gilt die Leinewelle Hannover, die rund 2,5 Millionen Euro gekostet hat — finanziert hauptsächlich über Sponsoren und Spenden, ergänzt durch einen Vereinskredit über 500.000 Euro.
Die Stadt Gießen hat im Haushalt 2022 bereits 10.000 Euro Planungskosten bereitgestellt. Ein Betreiberkonzept soll am Ende der Planungsphase in Absprache mit der Stadt erarbeitet werden. Der Lahnwelle e.V. orientiert sich am offenen Modell der Eisbachwelle München — also kein Eintrittsgeld, öffentlich zugänglich.
Finanzierungsoptionen umfassen Sponsoring, Fördergelder (Sport, Tourismus, Klimaschutz), Vereinsmitgliedschaften und ggf. kommunale Beteiligung.
Nein — das Konzept ist bewusst inklusiv. Über ein sogenanntes Kehrwasser (seitliche Einfahrmöglichkeit) können folgende Sportarten die Welle gemeinsam nutzen:
- River Surfing (Anfänger & Profis)
- Kanusport & Kajak
- Stand-Up-Paddling (SUP)
- Parakanu (barrierefrei)
- Kanu Special Olympics
Einzige Voraussetzung laut Verein: schwimmen können.
Ein umfangreiches Umweltgutachten zur Kartierung von Biotopen, Flora, Fauna und Fischfauna wurde bereits durchgeführt. Ergebnis: Keine unüberwindbaren ökologischen Hindernisse am favorisierten Standort SWG-Wehr. Fischklappen sollen Fische schützen. Die Anlage soll nahezu emissionsfrei betrieben werden können.
Zusätzlich diskutiert wird die Möglichkeit, dass die Konstruktion außerhalb der Surfzeiten (ca. 16 Stunden täglich) zur Stromerzeugung genutzt werden kann — was das Projekt ideal in Gießens Klimaneutralitätsziel bis 2035 einfügt.
- Lahnwelle e.V. — Offizielles Projektportal lahnwelle.com → Projektbeschreibung, Vereinsinfos, Zeitplan, aktueller Stand (Mai 2025)
- Gießener Anzeiger, 13. Mai 2023 Gießener-anzeiger.de → Aussagen Heinz-Jörg Ebert (BID Seltersweg) & Janne Paul Schmidt (Lahnwelle e.V.) · Kosten Leinewelle Hannover · Indirekte Wiedergabe Ebert
- Stadt Gießen — Offizielle Pressemitteilung, Juli 2024 Gießen.de → OB Frank-Tilo Becher zur Standortprüfung & Wellen-Bypass-Option · Direkte Wiedergabe
- Deutscher Kanu-Verband (DKV) kanu.de → Kehrwasser-Konzept, Inklusionsmodell, Stimmen Till Mühlhaus & DKV-Präsident Jens Perlwitz
- Gießen Aktuell, 19. September 2025 Gießen-aktuell.de → Daniel Sticher (Vorstand Lahnwelle e.V.) zu Standortfrage & Kommerzialisierung · Direkte Wiedergabe
- Gießen Entdecken — Machbarkeitsstudie Gießen-entdecken.de → Ergebnisse Machbarkeitsstudie, Zitat Bürgermeister Peter Neidel, Prof. Aufleger (Uni Innsbruck)
- Initiative Rhein-Main-Welle rheinmainwelle.de → Barrierefreiheits-Konzept, Athleten-Stimmen (Jan Benzien, Philip Josef, Michael Frey)
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